Endstation

Vier Uhr morgens. Vor genau 24 Stunden war die Welt noch in Ordnung. Ich stand auf, duschte mich. Dann begann ich zu Arbeiten. Die grösste Sorge war, ob ich die Meldung aus dem Parlament Olten richtig verstanden habe, und ob alles so stimmt.

24 Stunden später. Die Welt steht Kopf. Ich kann nicht schlafen. Vor wenigen Stunden hat der Arzt die schlimmst mögliche Diagnose verkündet: Lucero, meine Frau, hat noch wenige Tage. Der Krebs hat sich inzwischen im ganzen Körper verteilt.

Dabei hatte es zuletzt so gut ausgesehen. Im Dezember wurde ein sechs bis acht Zentimeter Tumor entfernt, plus noch drei, vier weitere. Die Nachfolgende Untersuchung im Januar zeigte: Soweit alles gut. Es hat keine weiteren.

Doch innerhalb von zwei Monaten sind nun fünf, sechs, acht Krebse gewachsen. Wo genau ist unklar. Sicher auch ausserhalb der Lunge. In ganz verschiedenen Organen. Operieren unmöglich.

Das Lungenkrebs einer der gefährlichsten ist hatte ich schon dazumal im Dezember gelesen. Ohne Operation sterben alle innerhalb eines Jahres. Selbst so sei die Überlebenschance klein, und dann steht irgendeine Prozentzahl.

Nur das hier ist nicht mehr irgendeine Statistik. Das ist ist meine Lucero. Es ist ihr Leben – und wahrscheinlich ist es bald vorbei.


 
 
 

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