Die Wahrheit liegt in der Statistik (UPDATE)
Man staunt manchmal, was Medien für Schlagzeilen produzieren. Beispielsweise titelt heute das Tagesanzeiger/Newsnetz.ch:
«Häftlinge in der Schweiz sind zu 70 Prozent Ausländer», um danach fortzufahren: «Der hohe Ausländeranteil fällt auf».
Nun ja «fällt auf» … Der Anteil ist seit Jahren stabil. Es gibt höchstens Veränderungen in der Nachkommastelle. Konkret müsste der Satz somit heissen: «Der hohe Ausländeranteil ist zum ersten Mal der Tagesanzeiger/Netznetz-Redaktion aufgefallen». Genau so gut könnte man übrigens titeln: «94 Prozent der Inhaftierten sind Männer!».
Wenn ein Journalist einen Titel mit scheinbarer politischer Sprengkraft produziert, müsste er vielleicht auch damit rechnen, dass die Leser eine Erklärung erwarten. Diese Arbeit hat sich das Newsnetz aber erspart.
10 von 10 Ausschaffungshäftlingen sind Ausländer
Selbst die offensichtlichsten Dinge, wie zum Beispiel, dass auch abgewiesene Asylbewerber als (Ausschaffungs-)häflinge in der Statistik auftauchen, werden nicht erwähnt. Dies wäre eigentlich eine weitere Schlagzeile wert: «100 Prozent der Ausschaffungshäftlinge sind Ausländer!». Dass diese Menschen nicht einmal etwas verbrochen haben müssen, muss man ja nicht unbedingt erwähnen. In der ganzen Diskussion geht zudem auch immer gerne vergessen, dass ein grosser Teil der kriminellen Ausländer gar nicht in der Schweiz lebt oder eine Aufenthaltsgenehmigung hat. Man muss sich vorstellen: «Kriminelle Ausländer scheren sich nicht um Einreisebewilligungen!». Will man sie davon abhalten in einem der reichsten Länder der Welt auf Diebestour zu gehen, müsste man wohl eine Mauer rund um die Schweiz bauen. Das Bauwerk könnte man dann als «Antikriminalistischer Schutzwall» bezeichnen.
Fast 100 Prozent sind Ausländer
Aber die ganze Thematik gäbe noch Stoff für weitere Schlagzeilen. Zum Beispiel: «99,9 Prozent Ausländeranteil auf der Erde!». Dass davon fast die Hälfte mit zwei Dollar pro Tag leben muss, wäre dagegen kaum interessant für die Tagesanzeiger/Newsnetz-Journalisten. Dies fällt ja nicht auf. Die Zahl ist einfach zu klein.
Schliesslich gibt es auch wichtigere Dinge. Vor allem die guten Taten der Schweiz sollten endlich wieder einmal erwähnt werden. So haben wir zum Beispiel Haiti unterstützt, indem wir die Gelder von Diktator François Duvalier sicher bei uns aufbewahrten. Sie wären ja sonst von bösen Menschen in Haiti gestohlen worden.
Update Das Newsnetz-Redaktion hat den Artikel umgeschrieben. Schade ist nur, dass weiterhin mit keinem Wort auf den Titel und Lead eingegangen wird. Ausser sehr vielen Zahlen bietet der Artikel weiterhin nichts. Keine Erklärungen. Keine Erläuterungen der Statistik. Interessant ist vielleicht einzig die Erwähnung, dass zwischen 1890 und 1941 auf 100’000 Einwohner bis zu 160 Häftlinge kamen. Heute gibt es dagegen nur noch halb so viele «Knackis». Dass obwohl heute viel mehr Ausländer in der Schweiz leben und es auch mehr potenzielle Straftaten, sprich Gesetzte, gibt. Früher durften etwa die Eltern ihre Kinder schlagen, ohne irgendwelche rechtlichen Konsequenzen zu fürchten. Heute schreiten die Behörden viel schneller ein.

