Wieviel Wert hat ein Deutscher?
Ich habe heute im Zug ein mehr oder weniger interessantes Gespräch
mitverfolgt. Es ging um eine Frau aus dem «grossen Kanton». Diese Formulierung sorgte für Gesprächsstoff. Während gefühlten fünf Minuten hing «grosser Kanton» in der Luft. Der Gesprächsbeginner versuchte in dieser Zeit seinem Gegenüber den Begriff anders zu umschreiben, ohne jedoch je das Wort «Deutsche» zu benutzen. Man hätte meinen können, der Mann sprach von etwas Schlüpfrigem. Als der Ausdruck «grosser Kanton» jeden bereits vorher kaum vorhandenen Witz verloren hatte, rief der Spätmerker: «Ahhh, du meinsch d’Schwobe». Damit Endete der Dialog jedoch noch nicht.
Der Spätmerker holte jetzt selbst den verbalen Zweihänder aus dem Sack: «Lieber en Schwob als füf Jugos oder Törke». Natürlich habe ich mir überlegt, ob ich dem armen Mann ein Altlas kaufen soll. Oder zumindest die Seite des Balkans kopieren. Viel interessanter als seine Unwissenheit bei den geopolitischen Veränderungen fand ich jedoch sein Vergleich. Warum fünf? Wären ihm vier Türken oder Immigranten aus dem ehemaligen Jugoslawien etwa lieber als ein Deutscher? Ist dies etwa der von der EU festgeschriebene Wechselkurs? Wer einen Deutschen aufnimmt, kann dafür fünf andere Ausländer ausschaffen? Natürlich habe ich mich auch gefragt, welche Auswirkungen mein Auslandsaufenthalt gehabt haben könnte. Nehmen wir an, diese Männer haben lieber einen Schweizer als zehn Ausländer. Damit hätte mein Abmelden in Biel und meine spätere Wieder-Anmeldung in Aarau zu einem richtiggehenden Flüchtlingsstrom geführt. Kein Wunder, dass beim Bundesamt für Migration ein Chaos herrscht!

