Mexiko, das Pädophilen-Paradies?

Es gibt viele Dinge an die man sich in Mexiko gewöhnen muss. Die Menschen sind unpünktlich, hören selbst am Sonntag Morgen laut Musik und Gesetzte sind sehr flexibel. An diese Dinge passt man sich –mehr oder weniger– an. Letzthin wurde mir allerdings etwas erzählt, was ich weder verstehen noch akzeptieren kann. Das ich ausgerechnet jetzt darüber berichte hat mit der Verhaftung der Regisseurs Roman Polanski zu tun. Seine Festnahme in Zürich hat ja zu heftigen Diskussionen geführt. So wird die Frage gestellt, ob die Vergewaltigung einer 13-jährigen 1977 nicht schon lange verjährt ist. Zumindest gewisse Kulturschaffende scheinen dieser Meinung zu sein.

Vergewaltiger heiratet Opfer
Diese Debatte hat mich an ein Gespräch vor einigen Tagen erinnert. Dabei wurde mir erzählt, wie man hier in Mexiko mit Vergewaltigungen, auch Minderjähriger, umgeht. Auch hier handelt es sich um ein Strafdelikt. Nur kommt es oft zu keiner Anzeige oder aber diese wird zurück gezogen. Der Deal lautet wie folgt: Der Täter muss sein Opfer heiraten. Das dies in einigen Dörfern vorkommt, weil dort die Leute Vergewaltigung als Tabuthema ansehen, und deshalb ein “gütliche” Einigung suchen, kann ich mir noch vorstellen. Wie sieht es aber Beispielsweise in der Millionenmetropole Mexiko-Stadt aus? Auch hier gebe es solche Fälle. Dies sei Alltag auch heute noch.

Mehrfaches Opfer
Nach den Ausführungen war ich doch recht erschüttert. Mexiko galt zuletzt als 14. grösste Wirtschaftsnation der Welt. Je nach Statistik wird es entweder zu den Schwellenländern oder teilweise gar zur ersten Welt dazu gezählt. Die Familie gilt hier als absolut heilig. Die katholische Kirche hat einen grossen Einfluss auf das Leben der Menschen. Viele der über 40-jährigen erwarten denn auch von ihren Kindern, dass sie als Jungfrauen, respektive -mannen, den Bund der Ehe eingehen. Konservativer geht es kaum. Wie kann es also sein, dass über Vergewaltigungen hinweg gesehen wird? Das weibliche Opfer wird nicht nur vergewaltigt, es muss unter Umständen das Leben lang mit seinem Peiniger verbringen. Eine Bestrafung der Täters bleibt aus. Ist der Ruf der Familie das einzige was zählt?
Die staatlichen Organe wiederum demontieren sich selbst. Wenn Abmachungen zwischen Opfer -und Täter-Familie selbst bei schlimmsten Verbrechen mehr zählen, als das Anwenden des Gesetztes, macht sich die Justiz je länger je mehr überflüssig. Der Rechtsstaat liegt auf der Intensivstation und keiner kümmert sich darum. Ganz im Gegenteil: Die Regierung Calderon schert sich selbst nicht um das Gesetz. Menschenrechtsverletzungen haben seit 2006 massiv zu genommen. Unter dem Mantel des “Drogenkriegs” werden die Rechte der Bürger immer mehr eingeschränkt. Wer sich dagegen wehrt, läuft Gefahr, als Krimineller verurteilt zu werden. Das Militär erhält immer mehr Macht, und trotzdem gibt es keine Verbesserung. Wer soll sich um das Gesetz, die Menschenrechte und die Justiz kümmern, wenn sich nicht einmal die Regierung daran hält?


 
 
 

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