Weniger mexikanische Migranten
Eigentlich wäre es ja eine positive Nachricht: Zwischen März 2008 und März 2009 sind “nur” gerade 175’000 Mexikaner in die USA migriert. Zuvor waren es jährlich etwa eine halbe Million, wie das US-Institut Pew Hispanis Center Ende Juli mitteilte. 2004 suchten sogar über eine Million ihr Heil im Nachbarland. Nun also ein deutlicher Einbruch. Die Gründe dafür und auch die Auswirkungen sind jedoch wenig erfreulich. Einerseits verstärkt die USA stetig ihre Grenzkontrollen. Die Sicherungsanlagen sind je länger je schwieriger zu überwinden.
Mexiko leidet dreifach
Andererseits lässt die lahmende Wirtschaft in den Vereinigten Staaten die Zahl der Mexikanischen Migranten schrumpfen. Viele Mexikaner, vor allem aus dem Süden, versuchen eine Arbeit im nördlichen Nachbarland zu finden. Unter den aktuellen Umständen ein schwieriges Unterfangen. Damit bleiben sie zu Hause.
So ergeben sich gleich drei Probleme. Einerseits sind die Überweisungen von Mexikanischen Arbeitskräften aus den USA die drittwichtigste Einnahmequelle für die hiesige Volkswirtschaft. Nur gerade ausländische Investitionen und der Erölverkauf sind noch wichtiger. Aber auch diese beiden Devisenquellen sind am versickern.
Andererseits steigt mit der abnehmenden Migration die Arbeitslosigkeit in Mexiko selbst an. Einen Job zu finden ist fast unmöglich. Gerade für unqualifizierte Arbeitskräfte, die normalerweise in der Landwirtschaft in den USA arbeiteten, ist die Situation sehr schwierig.
Doch damit nicht genug. Die Fliessbänder der Autoindustrie in Mexiko stehen still. Dies ist insofern nicht verwunderlich, als die Produktionsfabriken den ausländischen Autokonzernen wie GM und Ford gehören. Ob die milliardenschweren US-Rettungspakte für die Autoindustrie auch den Mexikanischen Produktionsstandorten etwas nützen, bleibt abzuwarten. Einzig die Deutsche VW bot in den vergangenen Wochen einen Lichtblick und kündigte eine Milliardeninvestition an.
Armut nimmt zu
Alle diese Fakten kann man in einem x-beliebigen Wirtschaftsmagazin nachlesen. Was in diesen Publikationen nicht zu finden ist, sind die Auswirkungen für den Einzelnen. Geht die Wirtschaft in Europa zurück gibt es einen Aufschrei. Im schlimmsten Fall gibt es mehr Personen die stempeln. Dies ist, zugegebenermassen, nicht einfach. Man muss vielleicht sogar auf die Sommer-Urlaubsreise verzichten.
Hier in Mexiko sind die Auswirkungen ungleich dramatischer. Hier gibt es kaum eine soziale Abfederung. Es existiert keine Arbeitslosenkasse. Dies kann man zurzeit an vielen Orten beobachten. Wenn man beispielsweise mit dem Zug von Cuautitlan nach Mexiko-Stadt fährt, sieht man die Auswirkungen der Krise sehr deutlich. Dies sind dann nicht mehr theoretische Zahlen. Dies sind Schicksale. Menschen die ihre Hütten aus Holz-Paletten zusammen bauen. WC und Dusche sind inexistent. Die Kinder gehen wahrscheinlich nicht zur Schule. Sobald es regnet verwandeln sich die Siedlungen in ein Schlammlöcher. Eine Chance zu entkommen gibt es nicht. Mit dem Verkauf von schwarzkopierten CDs und DVDs versuchen sich die Familien über Wasser zu halten. Oder man eröffnet irgendwo einen Stand und verkauft irgendwas. Aber auch hier merkt man: es gibt immer mehr. Mehr Stände auf den Strassen. Mehr Verkäufer von illegalen CDs in der Metro. Einfacher wird es in den kommenden Monat für einen grossen Teil der Mexikaner nicht. Es bleibt einzig die Hoffung auf eine bessere Wirtschaft in den USA …

