Homos Korruptus

Fröhliches Beruferaten: Wer ist notorisch unzuverlässig und korrupt? Korruption ist weit verbreitetAntwort: Ein Polizist in Mexiko. Die Ordnungshüter werden hierzulande mit Kriminellen auf die gleiche Stufe gestellt. Nicht zu unrecht, wie ich heute selbst erfahren musste. Das ganze spielte sich so ab …
Ich war heute in Santa Fe. Das Quartier ist völlig anders als die restliche Mexiko-Stadt.  Glaspaläste ragen dutzende Meter in die Höhe, die Strassen sind neu geteert; eine Stadt in der Stadt, wie sie genau so gut irgendwo in einem Land der ersten Welt sein könnte. Dieses irgendwie Unwirkliche wollte ich bildlich festhalten. Oder anders gesagt, ich schoss ein paar Fotos.

Multa = Bestechungsgeld?
Nun kommt ein freundlicher Polizist ins Spiel.Er sagt zu mir – natürlich auf Spanisch: «Fotografieren ist hier nicht erlaubt. Es hat in dem Gebäude eine Botschaft. Generell hat es hier viele Botschaften». Damit ist es aber noch nicht erledigt: «Sie müssen 1’500 Pesos bezahlen». Dies wären rund 150 Schweizer Franken. Irgendwie habe ich keine Lust den Betrag zu bezahlen – nicht zuletzt weil ich weiss, dass es in dem Gebäude, dem German Centre, gar keine Botschaft hat. Die Deutsche Botschaft ist nämlich fernab von Santa Fe. Deshalb sage ich: «Das ist aber viel Geld für ein paar Bilder». «Tja, das ist halt die Multa», meint der Polizist. «Multa? Que significa?». Ohne jedoch eine Antwort abzuwarten zücke ich mein Wörterbuch. Meine Vermutung, dass Multa so viel wie Bestechungsgeld heisst, bestätigt sich nicht. Das Wort bedeutet Geldstrafe.

Schweizer Post-Konto
Obwohl ich nun ein neues Wort gelernt habe, ist meine Lust noch nicht grösser, die mutmassliche Busse zu bezahlen. Also greife ich in meine Hosentasche und hole eine Hand voll Kleingeld heraus. «Ich habe keine 1’500 Pesos bei mir», erkläre ich, « und dies hier brauche ich für den Bus und die Metro». «Wo haben Sie ihr Konto? Bei der Santander, Bancomer …». «Ach, ich habe ein Konto bei der Schweizer Post», gebe ich wahrheitsgetreu zur Antwort. «Aber Sie haben doch sicher eine Kreditkarte?», fragt der neugierige Polizist weiter. Zieht seinen eigenen Geldbeutel aus der Tasche, und zeigt mir seine Visa-Karte. «Ja, ich habe eine Postcard. Allerdings kann man mit dieser nicht bei allen Automaten Geld abheben …». Der Beamte ist nun zunehmend ratlos. Deshalb komme ich ihm entgegen. Er solle mir doch eine Rechnung geben. «Solo efectivo (nur Bargeld)», ist seine knappe Antwort. Damit bewegen wir uns irgendwie im Kreis. So versuche ich den nächsten Ansatz. Ich könnte doch die Bilder der vermeintlichen Botschaft einfach löschen. Nun fragt mich der Polizist, ob ich den überhaupt zahlen werde. Meine Antwort ist: «No sé». Dies bedeutet soviel wie «Ich weiss nicht».

Was nun?
Der Polizist weiss nun auch nicht mehr, was er mit mir machen soll. Der Aufwand zu einer Bank zu fahren lohnt sich unter Umständen nicht. Schliesslich ist ja nicht mal klar, ob der komische Schweizer mit seiner Postcard Geld abheben kann. Noch weiter mit ihm zu diskutieren bringt wahrscheinlich auch nichts. Er versteht ja nicht einmal alles, und muss sich mit einem Diccionario behelfen. «Dann gehen Sie halt. Machen Sie aber keine Fotos mehr». So endet meine Unterhaltung mit dem Polizisten. Letztlich hat er weder meine Personalien notiert, noch auch nur einen Peso von mir erhalten. Das Leben als Ordnungshütter kann manchmal so frustrierend sein …


 
 
 

4 Kommentare zu “Homos Korruptus”

  1. Pia
    14. Juli 2009 um 08:32

    Hoi Mario!
    Na das ist mal eine geniale Geschichte,
    gut gelöst.
    Wie geht es dir sonst? Hat sich arbeitsmässig
    schon was getan?

    Ganz liebe Grüsse aus Luzern…Pia

  2. mario
    18. Juli 2009 um 00:03

    Hallo Pia. Solche Geschichten hörst du hier fast täglich. Es wirklich unglaublich, wie dreist die Polizei hier oft auftritt. Mir geht es gut. Bin gerade wieder einmal in der Schule, und habe gerade heute das Copréperito durch genommen. Ich hasse es :-) Wie geht es dir, alles OK? Liebe Grüsse Mario

  3. Pia
    20. Juli 2009 um 12:05

    Hoi Mario!
    Kann ich mir schon vorstellen.
    Nicht nur die Mexikanische Polizei
    ist dreist, hab in Asien da auch schon
    Erfahrungen gemacht.
    Na dann lern mal brav…..mein Kurs
    ist inzwischen zu Ende und ich werde
    jetzt erstmal eine Spanischpause
    machen, ausser bei der Arbeit.

    Ansonsten geht es mir sehr gut,
    bin frisch verliebt und alles andere
    läuft auch gut.

    Machs gut, liebe Grüsse Pia

  4. admin
    26. Juli 2009 um 03:03

    Hola Pia! Das kann durchaus sein. Kann auch nicht einschätzen, ob es so verbreitet ist wie hier. Wer in Mexiko nie Probleme mit der Polizei hatte, und sei es nur bei einem zweiwöchigen Urlaub, der kann sich sehr glücklich schätzen :-) Ich frage mich, was würde hier ohne Polizei passieren. Hhhhmmm, das Leben der Mexikaner wäre wahrscheinlich sicherer und vor allem billiger …

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